LICC - SPECIAL FASTELOVEND: Tradition

Sonntag, 26. Februar 2017
Alaaf ihr Jecken! Auf einen hoffentlich sonnigen Rosenmontagszoch!

Im Hintergrund höre ich die Schul- un Veedelzoch auf der Severinstraße, während ich mir einen halben Tag Pause gönne, um euch ein paar Gedanken zum Thema Karneval und Tradition runter zu schreiben. Die Füße im Fußbad und die Beine dick mit Sport-Salbe eingecremt, versuche ich mich für Rosenmontag zu stärken. 
Locker zehn Mal habe ich diese Zeilen runter geschrieben und wieder gelöscht, um euch annähernd zu vermitteln was Karneval für mich bedeutet.  





"Wat hät doch Köln sing Eigenaat verloren,...", sang Willi Ostermann 1930. Eine Anspielung auf das was kommt? Auf das was aus dem Kölner Karneval wird? 

Ich feiere traditionellen Karneval. Das mache ich schon mein Leben lang so. 

Tradition heißt nicht betrunken in der Ecke zu liegen. Es heißt auch nicht mit dem kürzesten Röckchen über die Zülpicher Straße zu laufen oder Viva Colonia auf Dauerschleife mit zu Grölen. 

Tradition heißt das zu pflegen was Willi Ostermann schon sang und die Zugteilnehmer 1823  verkörperten. Es heißt den traditionellen Sitzungskarneval zu bewahren und stolz zu sein, ein Teil von dem großen Rosenmontagszug sein zu dürfen. 
Weinend Arm in Arm in der Kneipe zu stehen und mit wildfremden Menschen "En unsrem Veedel" zu singen. Das verkörpert für mich immer wieder dieses Heimatgefühl das einem sonst keine Tradition bieten kann. 

 Karneval heißt für mich aber auch auf der Bühne zu stehen. Und auch das mache ich schon mein Leben lang - besonders intensiv seit vier Jahren bei den Hellige Knäächte un Mägde. 
Dieses Lampenfieber vor jedem Auftritt bevor der Einmarsch los geht und ich zusammen mit 30 tollen Menschen die Bühne unsicher machen darf. Die Freude und das Leid die man in so einer Tanzgruppe miteinander teilt. "Versteht ihr euch immer in der Gruppe?" - "Natürlich nicht!", aber in welcher Familie verstehen sich immer alle?! Der ganze Kölner Karneval ist eine riesige Familie. Man kennt sich, man mag sich, man mag sich nicht - wie in einer Familie. Doch wenn es wirklich drauf ankommt, dann ist man füreinander da! 
Fast das ganze Jahr stehe ich zweimal die Woche mit 30 Anderen in einer Turnhalle auf der Schäll Sick und gehe sehr oft an meine körperlichen Grenzen. "Bekommst du Geld dafür?" - "Natürlich nicht!". Ich mache das einfach aus dem Grund, dass ich auf den Bühnen von Köln stehen darf, um auch dort an meine körperlichen Grenzen zu gehen und im Applaus der Zuschauer zu baden. Für mich gibt es kein größeres Glücksgefühl, als auf der Bühne zu stehen, um das Sitzungspublikum zu begeistern. Und wenn dann nicht nur Applaus geschenkt wird, sondern die Jecken auch noch aufstehen und uns zu jubeln, dann schlägt mein Herzchen noch etwas schneller und mein Lachen wird noch etwas breiter. 

Mit diesem Bild vor Augen möchte ich euch gerne in den Rosenmontag schicken, an dem nochmal alle Kräfte gesammelt werden. Acht Wochen haben wir viele Abende die Bühnen gerockt, haben wenig geschlafen und ganz schön schwere Beine bekommen. 

Und wer nach dem Zug lieber auf dem Sofa liegt, als den Straßenkarneval zu feiern, der kann gerne um 20:15 Uhr den WDR einschalten. Mit viel Glück sieht man da nicht nur die traditionelle WDR Sitzung, sondern auch mich und meine tolle Gruppe tanzen.  

Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag, der echt aus dem Herzen spricht :)

    AntwortenLöschen
  2. Ein toller Beitrag! Ich tanze selber im Karneval und du sprichst mir mit diesem Beitrag aus der Seele! Das geht anderen Karnevalisten sicherlich genauso. :-)

    AntwortenLöschen