LICC DRESDEN - Tschüssi Sachsen

Sonntag, 6. Oktober 2019
Der Titel zu diesem Blogpost steht schon lange, doch die Bedeutung und die Wörter die dies beschreiben, haben mir lange gefehlt. Zwischen „Ich hab’s immer gewusst“ und „Wieso bist du dann überhaupt weggezogen?“ waren die Reaktionen vielschichtig. 

Tschüssi Sachsen - Morjen mein geliebtes Köln 




Die meisten wissen schon längst Bescheid oder haben es sich bereits gedacht: Ich wohne wieder in Köln. Wir wohnen wieder in Köln. Den Liebsten habe ich nämlich gleich wieder mitgebracht. 

Ich kann radikal sein. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann mach ich das auch. So bin ich auch nach Dresden gezogen. Ich war fertig mit meiner Ausbildung und A. noch durch sein Studium in Dresden gebunden. Ein anfängliches „Super, sonst bleib ich eh für immer im Rheinland“ wurde zu Kisten packen. Wegen Eigenbedarf musste ich eh aus meinen geliebten 28qm raus und ein Berufseinstieg, wo die Mieten nichts kosten, klang auch verlockend.
Den letzten Tag in Köln habe ich mir mit Abschieden von lieben Orten und lieben Menschen künstlich schwer gemacht, obwohl klar war, dass ich regelmäßig nach Hause komme. 
Doch dieses „Zuhause“ landete in Umzugskartons. Erschreckenderweise passte alles, was ich besitze in einen Transporter mit A. und meinem Papa.

600 km fott von dem was Heimat is 



Guten Mutes startete ich in ein irgendwie neues Leben, ohne das Alte satt zu haben. 
600 km entfernt von meiner Heimat dachte ich mit meiner freundlichen lockeren Art auf Menschen zu treffen, die so sind wie ich. Die mit den gleichen Werten aufgewachsen sind und dieselben Interessen haben. Doch in 600 km kann man vom Rheinland aus in mindestens 4 Länder fahren, 4 Kulturen - war mir das nicht bewusst? 

Ich wollte jeglichen Vorurteilen trotzen. „Von Ost-West spricht doch keiner mehr und Montagsdemos gehören der Geschichte an.“, dachte ich mir vorher und wurde eines Besseren belehrt.

Ein paar Erfahrungen in Dresden haben mein Heimweh verstärkt. Während meiner Zeit dort waren Wahlen. Ein Viertel wählte eine Partei, die vor allem durch negative Ausschweife in der Presse auffällt. An vielen Montagen wurde auf den Straßen protestiert, von Menschen die unzufrieden schienen und gegen diese „Ausländer“ oder aber gegen "drüben im Westen" wetterten. Eines Montags wurde ich im Supermarkt sogar angesprochen, ob ich nicht mit zur Demo kommen wolle, da meine ganz normalen Stiefeletten wohl aussehen würden, als wäre ich Sympathisantin – das wurde mir schnell zu viel. Natürlich ist mir bewusst, dass Themen wie Unzufriedenheit, Ausländerfeindlichkeit und hohe Wahlerfolge bei Parteien aus der ‚rechten Ecke‘ ein Thema in ganz Deutschland bzw. Europa sind, dennoch wurde mir dies vor allem in meiner Zeit in Dresden umso bewusster und vielleicht wurde das Gefühl nach ‚Zuhause‘ auch deshalb stärker, weil ich selbst, als 1000% Kölsch, die rheinische Offenheit schätze.


Dresden ist eine traumhaftschöne Stadt. Wie ein riesiges Museum würde ich jedem einen Städtetrip dorthin empfehlen. Ich habe liebe Menschen und ein tolles Team bei der Arbeit kennengelernt, die ich alle am liebsten in meine Kisten miteingepackt hätte. Der Abschied wurde mir alles andere als leicht gemacht und dennoch bin ich froh wieder Zuhause zu sein. 

Ich bereue es überhaupt nicht, ein halbes Jahr in Dresden gewohnt zu haben. Ich habe dort wunderschöne Momente erlebt, mit Kollegen „hallo“ um die Wette geschrien und die Eistruhe geplündert, mich beim Wandern in Lebensgefahr begeben und viel Zeit für mich gehabt. Zeit um einfach spontan stundenlang mit dem Fahrrad an der Elbe lang zu fahren oder mit A. Dates zu haben ohne Anschlusstermin.


Doch jetzt bin ich wieder da. Home is where the Dom is. Fühl mich wieder kreativ zwischen all diesen ‚bunten Menschen‘. Habe wieder einen Kalender, der bis auf die letzte Seite voll ist, sprudel vor Blogideen und bin glücklich. 

Danke Dresden, dass ich dich kennenlernen durfte. Danke Sachsen, für deine wunderschönen Orte. Ich komme wieder, nur eben zu Besuch und nicht zum bleiben...

Die wunderschönen Fotos sind von einem lieben Dresden Kollegen. Checkt gerne sein Instagram: _andreaskrause_

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